Erklärung der Stop Honor Killings CampaignZum 8. März  Internationaler Frauentag

Der 8. März, der Internationale Frauentag, steht in der Tradition eines langen und entschlossenen Kampfes von Frauen für Leben, Würde, Gleichheit und Freiheit. Entstanden aus den Protesten und Streiks von Arbeiterinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ist dieser Tag heute ein weltweites Symbol für den Widerstand gegen Diskriminierung, Gewalt und strukturelle Unterdrückung von Frauen.

Auch im Iran haben Frauen  von der Konstitutionellen Revolution bis in die Gegenwart – stets an vorderster Front für Freiheit und Gerechtigkeit gekämpft. Sie haben dafür Gefängnis, Verfolgung, Gewalt und den Verlust ihres Lebens in Kauf genommen. Diese Geschichte des Widerstands setzt sich bis heute fort: Frauen im Iran sind weiterhin Trägerinnen des gesellschaftlichen Wandels und zentrale Stimmen im Kampf um Gleichberechtigung.

Am diesjährigen Internationalen Frauentag betonen wir die Notwendigkeit, die Errungenschaften und Ziele der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ lebendig zu halten. Dieser Slogan ist weit mehr als ein politischer Ruf – er ist ein Ausdruck des grundlegenden Anspruchs von Frauen auf Selbstbestimmung über ihren Körper, ihr Leben und ihre Zukunft.

Wir werden nicht zulassen, dass die Forderungen dieser Bewegung im Schatten politischer Machtkämpfe, geopolitischer Interessen oder patriarchaler Narrative marginalisiert werden. Die Bewahrung des kollektiven Gedächtnisses dieser Bewegung und die Anerkennung der Rolle der Frauen in der zeitgenössischen Geschichte Irans sind nicht nur eine historische Aufgabe, sondern eine politische Verpflichtung.

Unter den gegenwärtigen Bedingungen von Krieg, politischer Instabilität und wachsender sozialer Unsicherheit sind Frauen besonders gefährdet. Sie sind gleichzeitig von den direkten Folgen bewaffneter Konflikte  Vertreibung, Verlust von Wohnraum und Lebensgrundlagen – sowie von einer Zunahme häuslicher Gewalt betroffen, die durch wirtschaftlichen Druck und gesellschaftliche Krisen verstärkt wird.

Erfahrungen aus Konfliktregionen weltweit zeigen, dass in Zeiten von Krieg und Instabilität das Risiko sexueller Gewalt, Zwangsverheiratungen, Menschenhandel und systematischer Kontrolle über die Körper und das Leben von Frauen erheblich steigt. Wenn staatliche und gesellschaftliche Schutzstrukturen erodieren, verlieren Frauen zudem den Zugang zu Rechtsschutz, Unterstützung und sicheren Räumen.

Die Fortsetzung von Krieg und politischer Instabilität führt zwangsläufig zu wachsender Armut, Arbeitslosigkeit und sozialer Unsicherheit. Diese Entwicklungen treffen Frauen – insbesondere alleinerziehende Mütter, junge Mädchen und Frauen in marginalisierten Regionen – mit besonderer Härte.

Armut verstärkt Abhängigkeiten, führt zu Schulabbrüchen von Mädchen, Kinderarbeit und erhöht das Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt. Dazu gehört auch die Zunahme sogenannter „Ehren“-Verbrechen, bei denen Frauen im Namen patriarchaler Kontrollvorstellungen über Familie, Sexualität und soziale Ordnung verfolgt oder getötet werden.

Wir fordern deshalb mit Nachdruck:

• die sofortige Einrichtung wirksamer Schutzmechanismen für bedrohte Frauen,
• den Ausbau unabhängiger Unterstützungs- und Beratungsstrukturen,
• die systematische Dokumentation von Gewaltverbrechen gegen Frauen,
• sowie die klare strafrechtliche Verantwortlichkeit der Täter und aller, die solche Verbrechen legitimieren oder vertuschen.

Die Bekämpfung sogenannter „Ehren“-Morde kann jedoch nicht allein durch gesetzliche Maßnahmen erreicht werden. Sie erfordert tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen: Bildung zu Geschlechtergerechtigkeit, die Anerkennung der Autonomie von Frauen sowie die konsequente Zurückweisung jeder Ideologie, die Eigentumsansprüche auf den Körper und das Leben von Frauen erhebt.

Keine Tradition, keine Kultur, keine religiöse oder gesellschaftliche Norm kann Gewalt gegen Frauen oder ihre Tötung rechtfertigen.

Gleichzeitig verurteilen wir Krieg in jeder Form und von jeder Seite. Kriege zerstören soziale Strukturen, verschärfen Armut und Unsicherheit und treffen vor allem Zivilistinnen und Zivilisten – insbesondere Frauen und Kinder. In vielen Konflikten werden die Körper von Frauen gezielt zu Schlachtfeldern gemacht, und sexuelle Gewalt wird als Instrument der Demütigung und Machtausübung eingesetzt.

Wir sind überzeugt: Ohne Frieden gibt es keine Sicherheit – und ohne Sicherheit keine Gleichberechtigung.

Der Internationale Frauentag erinnert uns in diesem Jahr mehr denn je daran, dass Frieden, Freiheit, Gleichheit und körperliche Selbstbestimmung untrennbar miteinander verbunden sind. Wir verpflichten uns, die Stimmen der Frauen hörbar zu halten, die Ideale von „Frau, Leben, Freiheit“ gegen das Vergessen zu verteidigen und unseren Einsatz fortzusetzen, bis sogenannte „Ehren“-Morde und alle Formen von Gewalt gegen Frauen endgültig beendet sind.

Stop Honor Killings Campaign
8. März 2026 (18. Esfand 1404)

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